Leseliste: Morgen, Morgen und wieder Morgen

Handlung kompakt

Sadie und Sam lernen sich als Kinder zufällig im Krankenhaus kennen – sie besucht ihre krebskranke Schwester, er erholt sich von einem schweren Beinbruch. Ihre gemeinsame Leidenschaft für Videospiele, angefangen mit Super Mario, verbindet sie sofort.

Jahre später begegnen sie sich im Studium erneut – Sadie am MIT, Sam an Harvard – und gründen zusammen mit ihrem Kommilitonen Marx die Spielefirma Unfair Games, in der Marx die geschäftliche Seite übernimmt. Ihr erstes Spiel Ichigo wird ein großer Erfolg.

Die Geschichte begleitet ihre weiteren Erfolge, Konflikte und persönlichen Krisen. Die intensive, aber nicht-romantische Beziehung zwischen Sadie und Sam ist geprägt von kreativer Energie und emotionalen Spannungen.

Mein Eindruck

Durchwachsen. Ich gehöre zur C64-Generation und habe über Computerspiele meine Leidenschaft für IT entdeckt – deshalb war das Thema für mich grundsätzlich reizvoll. Der Einstieg ist stark: Die Krankenhaus-Szenen mit der Schwester packen sofort, und man fragt sich neugierig, wie sich die Handlung entwickeln wird.

Doch im Grunde passiert wenig. Das Zwischenmenschliche wirkt halbherzig, Leidenschaft bleibt Mangelware. Je weiter die Geschichte voranschreitet, desto beliebiger und langweiliger wird sie.

Hinzu kommt: Für jemanden, der die beschriebene Zeit miterlebt hat, ist klar, dass sich die Autorin vieles angelesen hat, ohne selbst programmiert zu haben. Vieles wirkt unrealistisch, auch wenn einzelne Anekdoten auf wahren Begebenheiten beruhen mögen. Das Buch versucht modern zu sein (fast alle Figuren sind Asiaten, Queer etc.), spielt aber in einer Vergangenheit, in die das nur bedingt passt.

Positiv hervorheben möchte ich einzelne originelle Figuren – etwa den koreanischen Großvater mit Pizza-Restaurant und Donkey Kong-Automaten. Die Hauptfiguren hingegen sind mir nicht ans Herz gewachsen, weder positiv noch negativ. Für mich ein gravierender Schwachpunkt.

Zudem wimmelt es von „Superstars“, die mal eben in wenigen Tagen ein komplettes Spiel entwickeln oder scheinbar mühelos eine Spielefirma aufbauen – in der Realität undenkbar, schon gar nicht mit den eher schwachen Spielideen, die präsentiert werden.

Meine Ausgabe von Morgen, Morgen und wieder Morgen

Fazit

Morgen, Morgen und wieder Morgen von Gabrielle Zevin: Ein schwer gehyptes Buch, stellenweise sehr langatmig. Hätte ich gewusst, dass nichts Wesentliches mehr passiert, hätte ich es nach der Hälfte zur Seite gelegt. Eher geeignet für jüngere Leser ohne IT-Hintergrund.

Für 25 € im Hardcover hätte ich mich stark geärgert – gebraucht für 7 € war es noch vertretbar. Dass es so kurz nach Erscheinen bereits günstig erhältlich war, spricht dafür, dass dieses Werk keinen bleibenden Eindruck hinterlassen wird.

Meta

  • Wertung: 2 von 5 Sternen
  • Gelesen: Juli 2025
  • Originalausgabe: 2022
  • Deutsche Ausgabe: 2023, Bastei Lübbe
  • Frei nach Kevin Kelly: „Kaufe gebrauchte Bücher – es stehen dieselben Worte drin.“
  • Behalten: Nein