Leseliste: Niemalsland
Generell finde ich es interessant, auch einmal ein älteres Buch in die Hand zu nehmen. Meinem Gefühl nach gibt es nur wenige wirklich gute Neuerscheinungen, vor allem keine originellen. Das scheint (leider) ein allgemeiner Trend unserer Zeit zu sein – dasselbe gilt auch für Film und Musik.
Darum geht es
Neverwhere (deutsch: Niemalsland) von Neil Gaiman spielt in einer verborgenen Parallelwelt unter dem modernen London, die „Unter‑London“ genannt wird. Diese Schattenstadt ist bewohnt von Menschen, Wesen und Mythen, die vom normalen London „vergessen“ wurden – Obdachlose, Künstler, alte Götter und bizarre Kreaturen. Sie leben in ständiger Gefahr, weil die Stadt weder Gesetze, noch Ordnung und keine offizielle Hilfe kennt.
Der Buchhalter Richard Mayhew führt ein gewöhnliches Leben in Ober‑London. Eines Abends trifft er die verwundete Door, eine junge Frau aus Unter‑London, die von Attentätern verfolgt wird. Trotz der Aufforderung seiner Verlobten Jessica nimmt Richard die Verletzte mit nach Hause und wird damit unmittelbar Teil der Unterwelt.
Gemeinsam mit Door, die auf der Flucht vor den Auftragskillern Mr. Croup und Mr. Vandemar ist, begibt er sich auf eine gefährliche Reise. Ihr Ziel: den Mord an Doors Familie aufklären und den Verräter entlarven. Unterstützt werden sie von Figuren wie dem zwielichtigen Marquis de Carabas und der kampferprobten Hunter. Auf ihrem Weg durch Untergrundmärkte, vergessene U‑Bahn‑Stationen und surreale Orte wie die „Blackfriars“ oder die „Nachtbrücke“ wächst Richard über sich hinaus.
Niemalsland ist eine düstere Urban‑Fantasy‑Geschichte über Mut, Identität und die Entdeckung einer unsichtbaren Welt hinter der Fassade des Alltäglichen.

So finde ich es
Niemalsland ist eine Geschichte, die vor düsterer Fantasie nur so strotzt. Als unbedarfter Leser (ich hatte zuvor noch kein Werk dieses Autors gelesen) braucht es ein wenig Zeit, bis man den Abstand zur Realität erfasst. Gaiman ist definitiv ein sehr talentierter Schriftsteller; sein Text zieht einen sofort in seinen Bann. Obwohl ich eher realistische Erzählungen bevorzuge, habe ich das Buch mit großem Spaß gelesen.
Meta
- Wertung: 4 von 5 Sternen
- Gelesen: August 2025
- Originalausgabe: 1996
- Deutsche Ausgabe: 1997, Hoffmann und Campe, Heyne 2008
- Frei nach Kevin Kelly: „Kaufe gebrauchte Bücher – es stehen dieselben Worte drin.“
- Behalten: Ja